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Die Diakonie Bayern und Corona: „Wir wollen für alle Menschen da sein. Aber: Sozialwirtschaft ist auch Wirtschaft.“

Auch der zweitgrößte Wohlfahrtsverband in Bayern mit mehr als 3.500 Einrichtungen und mehr als 90.000 Mitarbeitenden ist durch die Corona-Krise herausgefordert. Viele Angebote können nicht mehr oder nicht in der gewohnten Form aufrechterhalten werden. Auch benötigen die diakonischen Einrichtungen dringend Schutzmaterialien. Trotz des Sozialschutzpaketes der Bundesregierung sei die Diakonie in Bayern auf zusätzliche finanzielle Hilfen angewiesen.

Um die Menschen in Bayern trotz Corona versorgen zu können, bemühe sich die Diakonie an vielen Fällen um kreative Lösungen. So sammelt die Diakonie in Kronach für Lebensmittelgutscheine, um die Schließung der dortigen Tafel zu kompensieren. Beratungsgespräche würden an vielen Orten per Telefon oder per Chat geführt. Diakoniepräsident Michael Bammessel: „Die Diakone spürt die Folgen von Corona überall – auch in Bereichen, die nicht so im Focus der Öffentlichkeit stehen.“ Als Beispiel für eine der bislang wenig beachteten Folgen der Krise nannte er die Situation von Menschen in der Grundsicherung. „Krisen treffen oftmals jene am härtesten, die es ohnehin nicht so leicht haben.“ Die Bundesregierung habe zwar die Rahmenbedingungen für Hartz-IV-Neuanträge gelockert. „Menschen, die bereits jetzt von der Grundsicherung leben, profitieren davon aber kaum – sehen sich zum Teil aber erhöhten Kosten ausgesetzt, etwa wenn es um die technischen Voraussetzungen geht, an digitalen Angeboten der Schulen teilnehmen zu können.“ Die Diakonie schließe sich darum der Forderung anderer Verbände an, die Grundsicherung kurzfristig um 100 Euro für Erwachsene und 80 Euro für Kinder zu erhöhen.

Im Bereich der Altenhilfe sei auch die Diakonie vom Mangel an Schutzkleidung betroffen. Die Verteilung über die behördlichen Stellen funktioniere nicht so, dass der Schutz von Mitarbeitenden und Patienten bzw. Patientinnen in ausreichendem Maße gewährleistet werden könne, so Sandra Schuhmann, Fachvorständin im zweitgrößten bayerischen Wohlfahrtsverband. Sie berichtete unter anderem von einem diakonischen Träger, der täglich mit fünf Sozialstationen mehr 1.200 Hausbesuche durchführt. „Pro Sozialstation wurden drei Liter Desinfektionsmittel und ein Schutzanzug ausgegeben. Das kann nicht funktionieren.“ Die Diakonie Bayern habe darum begonnen, selbst entsprechende Schutzmaterialien zu bestellen.

Kritik an der bayerischen Staatsregierung übte der zweite Vorstandsvorsitzende, Wolfgang Janowsky: „Der Freistaat hat zur Bewältigung der Krise bislang großartiges geleistet.  Allerdings haben wir seitens der bayerischen Staatsregierung viel über Schutzschirme für die Wirtschaft gehört.“ Die Sozialwirtschaft sei jedoch bislang mit keinem Wort erwähnt worden. Dabei beschäftige allein die Diakonie in Bayern über 90.000 Menschen und sei an vielen Orten einer der größten Arbeitgeber. Er forderte den Freistaat auf, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, das von der Bundesregierung beschlossene Sozialschutzpaket um weitere Leistungen zu ergänzen. „Das Sozialschutzpaket soll 75 Prozent der Einnahmeausfälle abdecken. Es ist zweifelhaft, ob dies ausreichen wird.“ Erschwerend komme hinzu, dass die Träger laut Gesetz erst in ihrem Bestand gefährdet sein müssten, ehe sie Zuschüsse nach dem Sozialschutzpaket beantragen könnten. „Wir hoffen, dass nicht nur die Menschen, für die wir da sind, wohlbehalten durch die Krise kommen, sondern auch die Diakonie selbst.“


(Pressemeldung Diakonie Bayern vom 1. April 2020)