Neuanfang mit 50: Kita Friedrich Oberlin startet ins Jubiläumsjahr mit Themenräumen, Quartieren und offenem Konzept

50 Jahre wird die Bamberger Kita Friedrich Oberlin in diesem Jahr – und fängt ganz neu an: Mit Beginn des Jahres hat das Team um Einrichtungsleiterin Heidi Zillig das Konzept völlig auf den Kopf gestellt. Die Kita, die zur Diakonie Bamberg-Forchheim gehört, setzt ab sofort auf ein „offenes Konzept“: „Bei uns gibt es keine Kita-Gruppen mehr“, erklärt Heidi Zillig. Die Gruppenräume sind jetzt „Themenräume“, immer auch besetzt von einer Kita-Kraft als Expert_in für das jeweilige Thema. Es gibt ein Atelier, in dem die Kinder malen und basteln können, einen Theaterraum zum Verkleiden und „In-andere-Rollen-Schlüpfen“, einen Bauraum für kleine Architektinnen und Konstrukteure, einen Raum zum Ausruhen und einen zum Experimentieren. Außerdem seien immer die Turnhalle oder der Garten als Räume für Bewegungsmöglichkeiten verschiedenster Art für die Kinder offen. Räumlicher Dreh- und Angelpunkt des neuen Konzepts ist das große Foyer der Kita. Hier ist auch immer eine Erzieherin als Koordinatorin zu finden, die die Kinder in Empfang nimmt und ihnen auch hilft, wenn sie nicht recht wissen, was sie jetzt machen sollen. „Die Idee ist, dass die Kinder selbstbestimmt und aktiv ihren Tag gestalten können“, so Heidi Zillig. „Unsere pädagogische Arbeit orientiert sich dabei noch stärker an den Interessen, Bedürfnissen und Entscheidungen der Kinder, um Selbstständigkeit und Mitbestimmung zu fördern.“
Zwei zeitliche Fixpunkte im “Quartier”
Es gibt aber immer noch zwei feste Termine am Tag: „Die Kinder sind in altershomogenen Kleingruppen von 10 bis 12 Kindern zusammengefasst.“ Jeden Tag treffen sie sich zu einem Morgenkreis in jeweils einem festen „Quartier“, berichtet Heidi Zillig. Auch zu Mittag essen diese Kleingruppen jeweils gemeinsam: „Und das wird richtig zelebriert: Immer zwei Kinder pro Woche sind in ihrer Quartiersgruppe für die Tischdeko und den Service zuständig. Dank Spenden unserer Eltern haben wir jetzt auch wirklich schönes Geschirr und die Mittagstische sehen toll aus!“ Das ehemalige Kinder-Bistro wurde im Zuge der Neugestaltung auch gleich umbenannt in „Stübchen“ und bietet jetzt neben dem Essen Platz für Gesellschaftsspiele und Puzzles.
Lange Vorbereitung, erfolgreiche Umsetzung
Die ersten Wochen mit diesem völlig neuen Konzept sind bereits vergangen – und zeigen, dass diese Offenheit erfolgreich ist. „Wir haben zwei Jahre daran gearbeitet, dieses Konzept einzuführen, haben viel auch mit den Kindern gesprochen und sie in Entscheidungsprozesse mit einbezogen. Vergangenes Jahr haben wir dann mit den Kindern geübt, wer in welchem Quartier ist und wo diese Quartiere im Kindergarten sind. Auch ein Ampelsystem haben wir vorab schon eingeführt und geübt, welches Material aus welcher Kiste die Kinder sich selbst nehmen können und für welches sie einen Erwachsenen fragen müssen.“ Für die Eltern gab es vergangenen Herbst zwei Info-Abende, bevor das gesamte Team kurz vor Weihnachten dann die Kita komplett umgeräumt hat. Am 5. Januar durften dann neugierige Kita-Familien schon einmal in die neugestalteten Räume spitzen, bevor nach den Weihnachtsferien wieder der Kita-Alltag gestartet ist.
„Was wir seitdem beobachten: Die Kinder bleiben länger bei einer Sache. Sie sind in ihrem jeweiligen Quartier auch oft offener miteinander, trauen sich in den altershomogenen Gruppen mehr, sich mit einzubringen“, meint Heidi Zillig. Da immer auch ein Bewegungsraum geöffnet sei, wären die Kinder zudem merklich ruhiger und konzentrierter in den anderen Themenräumen. „Und wenn sie keine Lust mehr auf eine Sache haben, können sie eben auch eigenständig entscheiden, den Raum zu verlassen.“ Die Befürchtung, dass es zu viel Raumwechsel und Trubel kommt, ist nicht eingetreten. Damit nicht zu viele Kinder gleichzeitig in einem Themenraum sind, gibt es ein Magnetsystem: „Jedes Kind hat einen Magnet mit seinem Gesicht. Vor jeder Tür hängt eine Magnetwand mit 15 Kreisen. Wenn ein solcher Kreis frei ist, kann ich meinen Magneten dort platzieren und in den Raum; wenn keiner frei ist, muss ich etwas warten oder mich für einen anderen Raum entscheiden. Auch da hilft unsere Koordinatorin, wenn die Kinder nicht wissen sollten, was sie tun sollen.“
Familiäre Atmosphäre und Alltagstauglichkeit
Heidi Zillig ist überzeugt vom neuen, offenen Konzept in der Kita Friedrich Oberlin: „Externe Gäste und Eltern haben uns auch schon zurückgemeldet, dass sich die Atmosphäre bei uns geändert hat: Es fühle sich jetzt familiärer an.“ Bei einer Kita mit 75 Kindern beachtlich! Die Krippenkinder seien noch ausgenommen, kämen aber täglich zum Frühstücken ins Kindergarten-„Stübchen“. Das Vorschulprogramm und andere Angebote fänden weiterhin statt, es sei jetzt aber einfacher zu organisieren, da die Vorschulkinder beispielsweise nicht in verschiedenen Gruppen seien, sondern in ein oder zwei Quartieren zusammengefasst sind. „Natürlich läuft nicht unbedingt immer alles glatt bei einer solchen kompletten Umgestaltung“, gibt Heidi Zillig zu. Dafür seien sie ständig im Austausch im Team und mit den Eltern und Kindern. „Nach einigen Wochen ist jetzt langsam die Reiz des Neuen verflogen und unser neues Konzept wird jetzt Alltag. Das ist wieder eine kleine Herausforderung“, meint die Kita-Leitung, „aber eine, auf die wir uns freuen!“