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Sieben Monate Richtung Hoffnung

Die Geschichte von Haitham Mobaieds Flucht aus Aleppo und das lange Warten auf seine Familie

Im Sitzungssaal der Gemeinde Egloffstein steht Diana Könitzers (hinten rechts sitzend) Schreibtisch. Hier trifft sie Haitham Mobaied mit seiner Familie, besucht die Familie aus Aleppo aber auch immer wieder in ihrem Zuhause.

Fast zwei Jahre hat er gewartet. Für Haitham Mobaied waren es die längsten und schlimmsten Jahre seines Lebens. 2015 hat sich der aus Aleppo stammende Syrer auf den Weg nach Europa gemacht, mit 10.000 Euro, eingenäht in seinem Gürtel, einem Handy und einem kleinen Rucksack. Zurücklassen in der vom Krieg gebeutelten Stadt musste er seine Frau Samera und seine drei kleinen Kinder Mohammad, Sali und Layan. „Die Flucht zum damaligen Zeitpunkt war zu riskant“, erzählt der Familienvater. „Und wir hatten auch nicht das Geld, um uns zu fünft auf den Weg zu machen.“ Mindestens 30.000 Euro wären dafür nötig gewesen. „So habe ich meine Frau und unsere Kinder bei unseren Verwandten zurücklassen müssen.“ Dass ein Wiedersehen erst nach nahezu zwei Jahren möglich sein würde, hatte Haitham nicht erwartet. „Ich wollte von Europa aus einen sicheren Weg für sie finden.“ Den Weg, den er zurücklegen musste, wollte er seinen Lieben keinesfalls zumuten.

Sieben Monate Richtung Hoffnung

Die erste Etappe: von Aleppo durch die Berge in die Türkei. Fünf Monate wartete er dort auf eine Gelegenheit, einen Platz in einem Schlauchboot nach Griechenland zu ergattern. „1400 Euro habe ich den Schleppern für die Überfahrt gezahlt.“ Die 36 Menschen in seinem Boot hatten Glück: Sie erreichten alle griechisches Festland. Die nächste Etappe: von Griechenland nach Makedonien. Diesmal zahlt Haitham Mobaied den Schleppern 1800 Euro, um mit acht weiteren Flüchtlingen im Winter zu Fuß das nächste Teilziel zu erreichen. Dann mit 28 Menschen von Makedonien nach Serbien für 500 Euro: „Wir sind bei Schnee durch die Berge gelaufen. Dann warteten nur drei Autos auf uns, die uns weiter bringen sollten.“ Haitham kann keinen Platz mehr ergattern, läuft in der Winternacht alleine durch die Berge in die Richtung, in der er Serbien vermutet. Am dritten Tag hat er nichts mehr zu essen. „Diese Nacht werde ich nie mehr vergessen.“ Der Syrer hat Glück, spricht sorbisch und bulgarisch, kann sich mit den Leuten verständigen und schlägt sich bis Belgrad durch. Weiter geht es nach Ungarn: „Wir sind 12 Stunden durchgelaufen; durch eiskalte Flüsse gewatet.“ In Ungarn wird der kleinen Trupp von der Polizei in Empfang genommen. Alle müssen ihre Fingerabdrücke abgeben. Über die afrikanische Mafia organisiert sich Haitham schließlich einen Platz in einem Auto, das ihn in sieben Stunden nach München bringt. Dort wird er registriert, kommt erst einmal nach Bayreuth und schließlich nach Egloffstein. „Ich habe täglich versucht, mit meiner Frau zu telefonieren“, erzählt Haitham. „Und gehofft, dass ich meine Familie bald zu mir nach Deutschland holen kann.“ Daraus wird nichts. Die Bürokratie braucht ihre Zeit. Haitham wird immer ungeduldiger: „Meine Kinder in Aleppo zu wissen und die schlimmen Nachrichten von dort zu hören …“. Noch jetzt ist der Syrer den Tränen nahe, wenn er von diesen Monaten des bangen Wartens und Hoffens berichtet.

„Ich brauchte Menschen, die mir zuhörten.“

In dieser Situation lernt er Diana Könitzer kennen, die Mitte 2016 für die Diakonie Bamberg-Forchheim die Asylsozialberatung im Landkreis Forchheim übernommen hat. „Haitham war der ungeduldigste Mensch, den ich kennen gelernt habe. Und wir hatten einen schweren Start“, schildert Diana Könitzer die ersten Begegnungen. Haitham war aggressiv, gestresst: „Ihm ging es sehr schlecht.“ „Ich brauchte Menschen, die mir zuhörten; die sich meine Geschichte anhörten“, so Haitham. Diana Könitzer hört zu. Beginnt zu verstehen, in welcher Lage der Syrer ist. Dass das Warten an seinen Nerven zerrt. Dass die Sorge um seine Familie, um seine Heimatstadt ihn nicht zur Ruhe kommen lässt. Samera sitzt auf gepackten Taschen, hofft mit den Kindern schnell das Land verlassen zu können. Doch ein legaler Weg scheint nicht möglich. In diesem Herbst werden die Nachrichten aus Aleppo immer schlechter. Haitham kann nicht mehr warten: Mit einem Schlepper macht sich jetzt auch seine Frau mit den drei Kindern auf den Weg. Im ersten türkischen Dorf werden sie von Soldaten mit vorgehaltenen Maschinenpistolen empfangen. Die Mutter sitzt mit den Kindern eine Nacht in einem Gefängnis in der Türkei, bis sie mit anderen Flüchtlingen auf einem Lastwagen wieder nach Syrien zurückgekarrt wird. Ein zweiter Versuch endet glücklicher: Samera läuft mit Mohammad, Sali und Layan die ganze Nacht unter der Führung von Schleppern durch die syrischen Berge bis in die Türkei, schlägt sich durch bis Istanbul. Zwei Monate wartet sie dort, bis endlich auch die letzte Etappe organisiert ist. Vor einem Monat dann das mittlerweile für Haitham fast Unglaubliche: Er kann seine drei Kinder und seine Frau nach zwei langen, aufreibenden Jahren endlich wieder in die Arme schließen. „Das war auch für mich einer der Momente, der mir Kraft für die Arbeit gibt“, erzählt Diana Könitzer.

„Wie geht es Dir?“

Haitham Mobaied ist es wichtig, seine Geschichte zu erzählen und auch Verständnis zu wecken: „Mir ging es sehr schlecht und ich habe viel erlebt, was ich keinem anderen wünsche.“ Jetzt sieht er nach vorne, beginnt als anerkannter Flüchtling eine Umschulung. Samera besucht den Deutschkurs, die zwei größeren Kinder sind in der Grundschule, die Kleinste geht in den Kindergarten. „Wie geht es dir?“, können alle drei schon sagen. Gemeinsam lachen sie viel, kuscheln immer wieder mit ihrem Papa. „Aber wenn sie ein Flugzeug hören, verstecken sie sich unter dem Tisch“, erzählt Diana Könitzer. Der Krieg steckt tief. Die Kleinste kennt nichts anderes, erlebt zum ersten Mal in der Fränkischen Schweiz einen Alltag fernab von Schusswechseln, Bombeneinschlägen und täglichem Überlebenskampf. Mohammad geht hier zum Fußballtraining, die Mädchen sind beim Egloffsteiner Sportverein zum Tanzen angemeldet. Dank einer Spende des Flüchtlingsnetzes Ebermannstadt über 150 Euro konnte Diana Könitzer die zwei Großen mit allem Nötigen für die Schule ausstatten. Und die Kinder wollen lernen, ebenso wie ihre Eltern. Die Mobaieds möchten sich hier einbringen und sich integrieren. Diana Könitzer wird sie weiterbegleiten: Seit Dezember ist sie nicht nur Asylsozialberaterin, sondern auch Migrationsberaterin und hilft nun auch den anerkannten Flüchtlingen rund um Fragen der Integration. „Wir sollten uns gegenseitig zuhören, unsere Geschichten kennenlernen und vor allem uns als Menschen begegnen“, wünscht sich die Asyl- und Migrationsberaterin. „Nur mit gegenseitigem Verständnis füreinander können wir die Herausforderungen, die die Flüchtlingsfrage mit sich bringt, gut und menschlich bewältigen.“


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